Kurz gesagt: Ja. Mit dem kostenlosen Plugin WooCommerce wird WordPress zu einem vollwertigen Onlineshop mit Produkten, Warenkorb, Kasse, Zahlungsarten und Versand. Für Deutschland brauchst du zusätzlich eine Erweiterung für die rechtlichen Anforderungen, etwa Germanized oder German Market, dazu leistungsfähiges Hosting, ein Backup-Konzept und Rechtstexte. Wer nur wenige digitale Produkte verkauft, kommt mit schlankeren Lösungen oft schneller ans Ziel.
Was WooCommerce kann
- Einfache und variable Produkte (Größen, Farben), digitale Downloads
- Warenkorb, Kasse und Kundenkonten
- Zahlungsarten wie PayPal, Kreditkarte, Klarna oder Vorkasse über Erweiterungen
- Versandzonen und -kosten, Steuersätze, Gutscheine
- Bestellverwaltung, Lagerbestand und Berichte
Tausende Erweiterungen ergänzen Abonnements, Buchungen, Marktplätze oder Anbindungen an Warenwirtschaft und Buchhaltung.
Anleitung: Shop einrichten
- Grundlage schaffen: Aktuelles WordPress mit HTTPS, siehe WordPress installieren. Ein Shop gehört nicht auf das billigste Hosting-Paket.
- WooCommerce installieren: Plugins → Neues Plugin hinzufügen → „WooCommerce“. Der Einrichtungsassistent fragt Adresse, Branche, Produkttypen und Währung ab.
- Rechtliche Erweiterung installieren: Germanized oder German Market passt Kasse, Preisangaben und E-Mails an deutsches Recht an.
- Zahlungsarten und Versand unter WooCommerce → Einstellungen einrichten.
- Rechtstexte einbinden: Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung, Datenschutzerklärung, Versand- und Zahlungsinformationen.
- Testbestellungen mit jeder Zahlungsart durchführen, bevor der Shop live geht.
Rechtliche Pflichten in Deutschland (Überblick)
- Preisangaben: Endpreise inklusive Umsatzsteuer, Hinweis auf zusätzliche Versandkosten, bei bestimmten Waren der Grundpreis.
- Bestell-Button: eindeutige Beschriftung wie „zahlungspflichtig bestellen“.
- Widerrufsrecht: Belehrung und Muster-Widerrufsformular für Verbraucher.
- Widerrufsbutton (neu seit 19. Juni 2026): Nach § 356a BGB brauchen Shops, die an Verbraucher verkaufen, eine leicht zugängliche Widerrufsfunktion, beschriftet mit „Vertrag widerrufen“ oder gleichbedeutend. Danach folgt ein zweiter Schritt mit einer Schaltfläche „Widerruf bestätigen“, und der Shop muss den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger (etwa per E-Mail) mit Datum und Uhrzeit bestätigen. Prüfe, ob deine Rechts-Erweiterung (Germanized, German Market) das bereits abdeckt.
- Informationspflichten: Lieferzeiten, Zahlungsarten und wesentliche Produktmerkmale vor der Bestellung.
- Datenschutz: Zahlungs- und Versanddienstleister in der Datenschutzerklärung nennen, Auftragsverarbeitungsverträge abschließen.
- Barrierefreiheit: Seit dem 28. Juni 2025 gelten für viele Onlineshops, die sich an Verbraucher richten, Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen.
Hinweis: Diese Liste ist ein Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Rechtstexte bekommst du bei spezialisierten Anbietern, Kanzleien oder Händlerverbänden, oft mit automatischer Aktualisierung.
Technik: Worauf es bei einem Shop ankommt
- Hosting: Shops erzeugen viele nicht cachebare Seitenaufrufe (Warenkorb, Kasse). Achte auf ausreichend PHP-Speicher, siehe Speicherlimit, und eine aktuelle PHP-Version.
- Backups: Die Datenbank ändert sich mit jeder Bestellung. Sichere sie mehrmals täglich, siehe WordPress-Backup erstellen.
- Updates mit Test: WooCommerce und seine Erweiterungen aktualisierst du am besten zuerst auf einer Staging-Kopie, siehe WordPress-Update durchführen.
- Sicherheit: Ein Shop verarbeitet Kundendaten. Zwei-Faktor-Anmeldung und sparsame Rechte sind Pflicht, siehe WordPress sicherer machen.
Wann eine andere Lösung besser passt
Verkaufst du nur ein paar E-Books oder Kurse, sind schlanke Plugins für digitale Produkte oder externe Zahlungsseiten oft einfacher. Willst du dich gar nicht um Technik kümmern, sind gehostete Shop-Systeme eine Alternative, dann allerdings mit laufenden Gebühren und weniger Freiheit. WooCommerce spielt seine Stärken aus, wenn du Inhalte und Shop eng verbinden und alles selbst in der Hand behalten willst.
Für Fortgeschrittene: WooCommerce per WP-CLI
# WooCommerce installieren und aktivieren
wp plugin install woocommerce --activate
# Bestellungen und Produkte auflisten (WooCommerce-eigene Befehle)
wp wc shop_order list --user=1 --fields=id,status,total
wp wc product list --user=1 --fields=id,name,price
# Datenbank nach einem WooCommerce-Update aktualisieren
wp wc update
Die wp wc-Befehle nutzen die REST-API von WooCommerce und brauchen mit --user ein Konto mit Shop-Rechten. Weitere Plugin-Grundlagen erklärt WordPress-Plugins finden und prüfen.
Passend dazu: Erweiterungen für deinen Shop findest du im offiziellen Verzeichnis, siehe Wo finde ich WordPress-Plugins?.
Frage dazu? Für Shops gibt es eigene Foren: WooCommerce und Online-Shops allgemein im WPDE-Forum.
Häufige Fragen
Ist WooCommerce kostenlos?
Das Plugin selbst ja. Kosten entstehen für Hosting, kostenpflichtige Erweiterungen, Rechtstexte und Gebühren der Zahlungsanbieter.
Kann ich einen bestehenden Blog um einen Shop erweitern?
Ja, WooCommerce lässt sich in jede bestehende Installation einbauen. Prüf vorher, ob dein Theme WooCommerce unterstützt, und teste auf einer Kopie.